13. März 2018 Das Modellkonzept Bremer Westen

In der Blauen Karawane haben sich am Donnerstag Mitarbeiter*innen der sozialpsychiatrischen Träger des Bremer Westens und Bürger mit psychiatrischen Erfahrungen und Interessierte getroffen, um über ein neues Modellkonzept für eine regionale psychiatrische Behandlung und Begleitung von Menschen schweren, akuten und chronischen psychischen Erkrankungen sowie komplexem Hilfebedarf zu diskutieren.


Dieses Konzept haben die sozialpsychiatrischen Träger des Bremer Westens: die Bremer Werkgemeinschaft, die GAPSY, die Initiative zur sozialen Rehabilitation, , der Martinsclub, das Sozialwerk der Freien Christengemeinde Bremen und die Blaue Karawane gemeinsam entwickelt. Ziel ist es, durch den Aufbau von regionalen, mobilen, multiprofessionelle Krisenteams und regionalen Krisenbetten Menschen mit psychischen Krisen eine Möglichkeit zu bieten, in ihrem sozialen Umfeld bleiben zu können.


Krankenhausaufenthalte können dadurch vermieden werden und die Menschen in der Krise bei den Ihnen vertrauten Bezugspersonen bleiben. Es kann eine Versorgung aus einem Guss stattfinden, anstatt der heute üblichen institutionellen Fragmentierung.


Klaus Pramann, Psychiater aus dem Bremer Westen, sagt in seiner Einführung, dass es eines neuen Aufbruchs in der Gemeinde bedarf, um die Fehlentwicklungen aus der Psychiatriebewegung der 80er Jahre zu korrigieren.


Volkmar Aderhold fokussiert sich besonders auf die Chancen der ambulanten Behandlung. Bereits seit 2011 zeigt die sogenannte S3 Leitlinie, dass multiprofessionelle ambulante Teams die höchste therapeutische Wirksamkeit haben. Das Modellprojekt sieht eine ganz einfache Struktur der Versorgung vor:


Multiprofessionelle ambulante Teams in denen mindestens jeweils auch ein Erfahrungsexperte arbeitet, ein 24 stündiger Krisendienst, eine Krisenwohnung und eine Akutstation im Krankenhaus.


Die tatsächliche Schwierigkeit ist die Überwindung der Grenzen zwischen den vielen beteiligten Institutionen. Die Überwindung dieser Grenzen hat sich das neue Konzept zum Ziel gesetzt. Dabei sollen weder in der Klinik noch bei den ambulanten Versorgern Arbeitsplätze wegfallen, sondern Arbeitszusammenhänge sollen neu gestaltet werden.


Hauptinstrument der ambulanten Therapie sind nach Aderhold Netzwerkgespräche, die konsequent das soziale Umfeld der Betroffenen in die Therapie mit einbeziehen.


In jedes Team gehören unbedingt Experten aus Erfahrung. Sie können sich in Krisen besonders gut einfühlen und geben Hoffnung wieder aus der Krise herauszukommen.


Eine rege Diskussionsrunde schloss sich an die Fachvorträge an. Herr Robra-Marburg , als Angehöriger beklagte, dass heute viele Menschen, insbesondere junge Erwachsene, durch alle Betreuungsnetze durchfallen. Es sind keine niedrigschwelligen Hilfen vorhanden, die für Betroffene und deren Angehörige schnelle unbürokratische Hilfe geben können.
Heikos Schwarting, selber mit jahrelanger Psychiatrieerfahrung, Experte aus Erfahrung und heute Mitarbeiter der GAPSY, berichtet von seinen früheren, zahlreichen Klinikaufenthalten, die zu einer Hospitalisierung geführt haben. Lange Klinikaufenthalte führen dazu, dass man Angst hat, die Klinik zu verlassen. Die Klinik wird die Normalität und das Leben draußen das Fremde. Eine konsequente ambulante Versorgung sieht er als Chance, eine bessere psychiatrische Versorgung auf den Weg zu bringen.


Wie sind nun die weiteren Schritte der Akteure: Vor allem die Politik soll für das neue Konzept gewonnen werden, um sich für eine Veränderung der psychiatrischen Landschaft einzusetzen. t Im Bremer Westen, aber alle Beteiligten stellen sich eine Ausweitung auf Gesamt-Bremen vor.


Hier geht es zum Konzeptpapier

 

zur News-Übersicht